„In jeder Hand ein Froschschenkel und ab in die nächste Technodisse“
Mit Timo Gramer (23), Austauschstudent an der Pariser Sorbonne, sprach Kay Heimann über seine Zeit in Frankreich.
Paris ist ja bekanntlich die Stadt der Liebe. Mit wie vielen Französinnen hast du schon dein Bett geteilt?
Stadt der Liebe heißt auch, dass es nicht immer das Bett sein muss..
Und wie sind die Französinnen im Vergleich zu den deutschen Frauen? Flirten sie mehr?
Man kann nicht immer sicher sein, ob man sich gerade im feurigen Flirt oder im „Uhhh, isch bin aber so toll, dass ich immer so gucken kann“ befindet. Die Französin an und für sich besticht zumeist dadurch, dass ihr Allerwertester viel, viel kleiner als ihr eigenes Ego ist!
Vier Monate lebst du mittlerweile in Frankreichs Hauptstadt. Fühlst du dich schon wie ein Pariser?
Heureusement pas, was so viel heißt wie: „Schwein gehabt, nein!“ Ich bin froh – ohne natürlich jetzt pauschalisieren zu wollen – im Gegensatz zum Pariser meine mir eigene Bescheidenheit und meine Offenheit und Gastfreundlichkeit bewahrt zu haben.
Gibt es Unterschiede zwischen den Mentalitäten?
Feiern wir zum Beispiel den Sieg über die Franzosen von 1870? Aber die Franzosen mit Riesenmilitärparade und Fahnenmeer jedes Jahr ihren Sieg von 1918. Auch benennen wir nicht einen Großteil unserer Straßen nach unserem eigenen Nationalhelden – müssten uns ja auch erst noch einen konstruieren. Aber ehrlich: So ein wenig was von diesem Nationalstolz wird doch mittlerweile selbst Deutschland konstruieren können beziehungsweise dürfen, oder?
Wie würdest du das „französische Lebensgefühl“ beschreiben?
Pastis, Rotwein (aber kein Bier), Baguette, Croissants, in jeder Hand ein Froschschenkel und ab in die nächste Technodisse.
Wie kommst du mit der Sprache klar?
Ich denke, ich hätte mich noch mehr reinhängen können, aber Filme, Zeitungen und auch die Unterrichtsveranstaltungen, die ja alle auf französisch sind, nehme ich doch inzwischen gut auf. Meistens sind wir aber mit den Erasmus-Studenten unterwegs und ich musste ein kleines überteuertes Rattenloch alleine beziehen… (360 Euro für ein kleines Zimmer, das kurz unterm Dach liegt und einen mehrfachen Aufstieg am Tag aus körperlicher Resignation praktisch ausschließt.) Das sind nicht unbedingt Vorraussetzungen, um akzentfreies Französisch zu lernen.
Du studierst an der Sorbonne. Wie ist das im Vergleich zur Leipziger Uni?
Es ist alles viel theoretischer, verschulter – ich möchte beinahe sagen uninteressanter. Ich entdecke nicht so den Sinn, einfach nur die ganze Zeit mitzuschreiben was der Prof sagt und am Ende des Semesters alles einfach rauszulassen, ohne sich jemals darüber unterhalten zu haben – ist ja wie die HSK-Klausur bei der Zwischenprüfung Journalistik. Auf der anderen Seite aber auch für einen „Ausländer“ wie mich leichter zu verstehen und zu verfolgen.
Mit wem verbringst du deine Zeit, und hast du Freunde gefunden?
Eigentlich sind es immer die Erasmus-Studenten. Da die meisten dort Deutsche und Italiener sind, habe ich besonders diese beiden Sprachen besonders verbessert. Und, was herausragt, der ein oder andere Freund ist wohl auch dabei!
Was war das Exzessivste, was dir bis jetzt in Paris passiert ist und das du nicht vergessen wirst?
Och, da gibt’s vieles: Party auf der Seine, Champions League auf französisch, Oper, Kino, die rauschenden Partys und mit versifften Franzosen bis morgens um 10 in einer verruchten Kneipe…
Gibt es etwas, das du an Leipzig, oder allgemein an Deutschland, vermisst?
Schwarzbier, jeden auf der Strasse zu kennen, feste Treffpunkte, meine WG, das übriggebliebene Geld am Monatsende (lacht).
Wie ist dein Fazit fast zum Ende des Semesters: Hat sich Paris für dich gelohnt?
Ich hätte ein wenig eher mit dem Arbeiten aus den Puschen kommen müssen und könnte vielleicht ein bisschen besser Französisch sprechen. Und ich hätte lieber in einer WG gewohnt und dann mehr Geld zur Verfügung haben können. Kurzum: eine rundum lohnende Erfahrung.
