Der Leipziger

Wir geben der Stadt ein Gesicht!

Parkst du noch oder studierst du schon?

Von Verena Lutter

Leipzig, Stadt der kurzen Wege – das war einmal. Weil das Hörsaalgebäude am Augustusplatz im neuen Semester vollständig den Bauarbeitern in die Hände gefallen ist, wird der Leipziger Student zum „Interims-Hopper“: 9.15 Uhr Städtisches Kaufhaus, 11.15 Uhr Geutebrück-Bau der HTWK, 13.15 Uhr Mensa Jahnallee – zwei akademische Viertel reichen da plötzlich nicht mehr aus, um von A nach B zu kommen.

Damit es schneller geht, wird trotz Kälte die Straßenbahn links liegen gelassen und das Fahrrad aus dem Keller geholt. Schlechte Entscheidung, wie sich bald herausstellt. Denn das Baufieber grassiert in der ganzen Stadt. Da lauern Baustellenampeln am Goerdelerring, deren Rotphase zehnmal so lang ist wie die Grünphase. Oder Baustellenfahrzeuge in der Universitätsstraße, die immer dann irgendwo einparken oder irgendwas abladen müssen, wenn man nur noch fünf Minuten Zeit bis zum nächsten Seminar hat.

Stress auf allen Wegen

Schön sind auch Fußgänger auf dem Marktplatz, die gruppenweise durch die Sichtfenster der Bauzäune in hässliche Erdlöcher starren und nur durch quietschende Fahrradbremsen oder vehementes Klingeln die Bahn frei geben. Ist man dann endlich genervt am Ziel angekommen, beginnt die Suche nach einem Parkplatz. „Parkst du aus oder ein?“ scheint in diesen Tagen die häufigste Frage zwischen Augustusplatz und Beethovenstraße zu sein.

Und nach dem Seminar geht der Stress weiter: „Verdammt, wo hab’ ich vorhin mein Fahrrad abgestellt?“ Aber die Mobilität hat ja auch ein Gutes: Der Leipziger Student wird optimal auf das spätere Arbeitsleben vorbereitet. Falls er denn vorhat, Kurierradfahrer zu werden.

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