Stadt in Scherben
Von Henry Berndt
Ton, Steine, Scherben auf Leipzigs Radwegen. Wie kann man sich einem solch heiklen Thema am besten nähern? Polemik ist hier wohl fehl am Platz. Weiter kommen wir dagegen mit einem System aus klassischen, dreigliedrigen Syllogismen. Ein Syllogismus besteht aus zwei Urteilen (Prämissen) und einem dritten Urteil (Konklusion), auf das geschlossen wird. Also: Leipzig ist eine Studentenstadt. Studenten fahren gerne und viel Fahrrad. Ergo ist Fahrradfahren in Leipzig eine beliebte Form der Fortbewegung.
Wen könnte das stören? Autofahrer? Fußgänger? Straßenbahnfahrer? Sie alle sind prinzipiell nicht von dem Verdacht zu befreien, des Nachts heimlich mit einer Plastetüte voller Glasflaschen vor die Tür zu gehen und sie der Reihe nach auf Leipzigs Radwegen zu zerscherbeln. Inzwischen gleicht es nahezu einem Wunder, in dieser Stadt ohne platten Reifen von A nach B zu kommen. Aber wir wollen nicht vorschnell schlussfolgern.
Fahrradhasser sind Pfandverächter
Der dreigliedrige Syllogismus hilft uns auch hier weiter: Ein mit Luft gefüllter Gummireifen ist empfindlich gegen die äußere Einwirkung spitzer Gegenstände. Glasscherben sind zuweilen spitz. Ergo sind Glasscherben eine Gefahr für mit Luft gefüllte Gummireifen. Auch ohne Syllogismus erkennen wir an, dass solche Reifen aber für das Fahrradfahren von essentieller Bedeutung sind. Es ist daher auch keine Übertreibung, davon zu sprechen, dass Glasscherben auf Radwegen den Genuss des Radfahrens beträchtlich beinträchtigen können. Jetzt kommen wir zu einem entscheidenden Punkt: Warum also bedeckten überproportional viele Glasscherben unsere Radwege?
Die Lösung scheint auf der Hand zu liegen: Fahrradhasser streuen Glas. Studenten sind eins mit ihren Fahrrädern. Ergo sind die Glas-Streuer Studentenhasser. Liebe Studentenhasser, bitte bringt euren Unmut über Studenten anders zum Ausdruck! Das Flicken eines Schlauches kostet etwa 14 Euro – oder eine Menge Nerven. Außerdem ist die Getränkeindustrie darauf angewiesen, dass mindestens 80% der verkauften Glasflaschen zurückkommen. Aus diesen Gründe startet der Bund Leipziger Fahrradfreunde nun die Initiative: „Pfand statt Scherben“. Lasst euch das Pfand nicht entgehen!
