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Elefantengott wird Zootier

Von Raili Münke

Für 7,8 Millionen Euro entsteht ein weiterer Teil des Naturerlebnisparks „Zoo der Zukunft“. Die Lebensweise der asiatischen Elefanten soll sich dadurch erheblich verbessern, die Tierhaltung noch ein Stück artgerechter werden. Insgesamt steht den Tieren nach der Fertigstellung des Elefantentempels über ein Hektar Fläche zur Verfügung. Das Außengehege umfasste zuvor nur knapp 360 Quadratmeter, nun wird es auf 5000 Quadratmeter vergrößert. Die Boxen waren vorher nur 35 Quadratmeter groß. Im neuen Elefantentempel hat jeder Elefant auf 50 bis 60 Quadratmetern Platz. Der gesamte Innenbereich des neuen Hauses wird 5000 bis 6000 Quadratmeter groß sein.

Abwechslungsreiches Gehege

Das neue Gehege wird außerdem abwechslungsreicher. Statt einem kleinen Badebecken gibt es demnächst drei Becken im Außengehege, eines im Bullenstall und eines im Innengehege. Im Haus wird es einen natürlichen Boden geben. „Das ist besonders gut im Winter, wenn die Tiere nur kurz raus können“, erläutert Zoodirektor Jörg Junhold. Einmal im Jahr müsse der Sand dann allerdings ausgetauscht werden. Pflanzen gebe es ausschließlich im Besucherbereich. „Viel Grün. Bambus. Das gehört da auch hin“, meint der Zoodirektor. Im Gehege würden die Pflanzen nicht lange überleben, weil die Elefanten sie als Futter identifizieren würden. „Die Pflanzeninseln im Außenbereich werden durch unsichtbaren Strom geschützt“, fährt er fort. „Das lernen die Tiere schon“, ist er sich der gekonnten Abschreckung sicher. Er hofft außerdem, dass das Gras in Ordnung bleibt. Einige Schlammsohlen würden aber nicht ausbleiben.

Für zehn bis zwölf Elefanten ein neues zu Hause

In den neuen Elefantentempel werden vier Elefantenkühe, das Jungtier Voi Nam und der Bulle Mekong einziehen. Außerdem bekommt der Zoo Leipzig in absehbarer Zeit noch zwei Kühe aus dem Tierpark Hamburg-Hagenbeck. Die jüngere davon bleibt aber nur so lange, bis sie von Mekong gedeckt wurde. Derzeit leben die Leipziger Elefanten im Bullenstall. Der Bau dieses Gebäudes wurde bereits 2002 vorgezogen, als klar wurde, dass in absehbarer Zeit ein Jungtier die Herde bereichern würde. Der Zoo entschied, ein kindersicheres Gehege zu bauen. Der erste Teil des neuen Außengeheges wurde im Dezember 2004 eröffnet. Das neue Elefantenhaus bietet Platz für zehn bis zwölf Tiere. „Eigenzucht ist herzlich willkommen“, meint der Zoodirektor. „Wir können ruhig noch Elefanten gebrauchen.“

Das Elefantenhaus – eine verfallene Ruine im asiatischen Stil

Der Elefantentempel „Ganesha Mandir“ soll eine verfallene asiatische Ruine darstellen. „Die Natur erobert den verfallenen Tempel zurück – diese Geschichte erzählen wir“, äußert sich Zoodirektor Junhold. Der Besucher soll durch einen Dschungel aus Bambus in die Ruine eintreten und von einer nachgestellten Ausgrabungsplattform aus “eine andere Welt” beobachten können.

Nachdem die Flusspferde im Februar 2005 das Gebäude verlassen hatten, wurde es vollständig entkernt. „Der Anbau erfolgte nach dem Grundriss von 1926“, erklärt Junhold. „Die Klinker müssen wir noch auf alt trimmen, damit der Tempel auch Ruinencharakter bekommt.“ Das Haus soll letztendlich in einen verfallenen Teil übergehen. So können Denkmalschutz, städtebauliche Auflagen und das Konzept des „Zoos der Zukunft“ miteinander kombiniert werden. Das alte Zollinger-Dach, „eine sparsame, aber tragfähige Konstruktion“, war bereits Anfang der 90er Jahre an einigen Stellen überholt worden. Jetzt ist es grundsätzlich erneuert. „Solarzellen im vorderen Bereich werden das Wasser der Innenbecken ganzjährig bei 20°C halten“. Finanziell läuft „alles planmäßig“, teilt der Zoodirektor mit.

Im Keller des neuen alten Tempels wird der Zoo Leipzig nebenher noch einige nachtaktive asiatische Schuppentiere unterbringen. Durch ein Fenster im Boden des Badebeckens hat der Besucher vom Keller aus auch einen exklusiven Blick auf die Elefanten. Die regelmäßigen Badungen und publikumswirksame Kommentierungen durch einen der fünf für die Elefanten verantwortlichen Tierpfleger sollen zu einer besonderen Attraktion werden.

„Es gibt nichts vergleichbares“

Im Januar oder Februar werden die Tiere ihr neues Reich beziehen. Dann müssen sie sich eingewöhnen und werden nach etwas vorstürmlicher Ruhe ab April zu besichtigen sein. „Mit diesem Elefantenhaus brauchen wir uns in Europa nicht zu verstecken“, bilanziert Zoodirektor Jörg Junhold. „Wir haben eine gute Mannschaft und ein gutes Tierpflegerteam. Die Anlage wird sich mit jeder Anlage auf der Welt messen können.“ „Es gibt nichts vergleichbares“, urteilt abschliessend Chef-Elefantenpfleger Michael Tempelhoff.

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