„Abriss und Modernisierung sind Teil eines Prozesses“
Neben der Ausstellung „Shrinking Cities“ wurde viel diskutiert über die Plakate, die um den Jahreswechsel Parolen auf neofarbenem Grund durch Leipzig kreischten. Jetzt ist die Ausstellung wieder abgebaut, die Diskussionen sind verebbt. Was bleibt – noch mehr leere Räume? Wie wird die Stadt Leipzig in Zukunft mit ihrer „Schrumpfung“ umgehen? Mit Karsten Gerkens, Leiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung in Leipzig, sprach Susan Weitershagen.
In der Ausstellung „Shrinking Cities“ werden Handlungsprinzipien gegen das Schrumpfen entworfen, teilweise auch von Künstlern. Schenken sie dem Beachtung?
Ja, ehrlich gesagt bin ich etwas enttäuscht, weil hier das wären die Ansätze gewesen, die vor drei Jahren in die Diskussion gepasst hätten. Die hätten die Diskussion tatsächlich auch weitergebracht. Auf der anderen Seite bin ich aber auch ganz froh, weil ich sehe, dass die Dinge, die zu dem Thema laufen, die tatsächlich Gebauten Dinge, die Projekte, die gelaufen sind, das die einen Großteil von dem auch beschreiben, was hier angedacht ist. Das heißt, dass wir wahrscheinlich in der Realisierung weiter sind, als das Projekt.
Was machen Künstler denn anders, als Stadtplaner?
Ich glaube sie sind nicht so sehr konfrontiert mit der Situation der Bevölkerung, in Stadteilen, in denen es nicht so gut läuft, die tatsächlich auch Einwohnerverluste haben. Sie haben hier eine größere Distanz. Das kann zum Vorteil gereichen, weil ich einfach freier agiere und auf Dinge und auf Ideen vielleicht kommt, auf die man mit zu viel Bodenhaftung nicht kommt. Aber die Frage ist, bekomme ich das tatsächlich geerdet? Also das heißt kriege ich das auf den Grund? Kriege ich das zu einer Praxis? Das ist natürlich die zweite Frage.
Barbara Steiner, die Direktorin der Galerie für zeitgenössische Kunst sagt, dass man nur über Disziplingrenzen hinweg erfolgreich ist. Kann man dann Schrumpfung nur mit interdisziplinären Lösungen begegnen?
Ja, das ist denke ich völlig unstrittig, das ist auch im Prinzip die Praxis der Stadterneuerung, das heißt, ich kann nicht nur mit irgendwelchen baulichen Maßnahmen was tun. Das ist im Prinzip die Hülle ohne Inhalt, das kann nicht funktionieren. Die Frage Arbeit spielt eine wesentliche Rolle, die Frage Kultur spielt eine wesentliche Rolle, aber im Prinzip Förderung, Unterstützung aller Aktivitäten, die wirklich auch geeignet sind, solche leeren Hüllen zu füllen. Das ist eben keine rein baulich Aufgabe, das ist mehr das Zusammenführen unterschiedlicher Ansätze, der Versuch zu helfen, diese Dinge realisierbar zu machen. Diese Dinge, das ist mehr Management, also wie kommen diese unterschiedlichen Dinge, wie kommen leeres Haus und Interessent, der da irgendwelche verrückten Dinge drin mach will, zusammen und wie werden Hemmnisse beseitigt?
Ihre Ansätze sind Sanieren, Erneuern, Abriss und auch Eigentumsbildung. Neben dieser Umgestaltung der Gegend ist es ja auch wichtig die der Menschen zu beeinflussen, also die Wahrnehmung der eigenen Gegend zu gestalten. Muss man mehr Schritte in diese Richtung lenken und wenn ja, wie machen sie das?
Das ist nicht nur irgendwie ein bauliches Thema, sondern wenn ich in der Frage Schrumpfung erfolgreich sein will, dann gehört das Thema Arbeit ganz wichtig dazu. Und zum Beispiel ist die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen ein Mittel, um das, was da ist, besser wachsen zu lassen, so dass es eben nicht schrumpft, sondern die Möglichkeiten, die Freiräume nutzt und letztendlich wieder wächst. Also von daher ist der erste Teil diese Geschichte, es geht über diese Geschichte hinaus, es geht ein in den Sektor Beschäftigung, geht rein in den Sektor Kultur, es sind die unterschiedlichsten Dinge. Abriss und auch Modernisierung und ähnliche Dinge sind dann Ergebnisse so eines Prozesses, auch eines Klärungsprozesses. Was kann man mit den Objekten tun, wer interessiert sich, welche Problemlagen haben wir irgendwo? Aber sie sind eben nur der letzte Punkt.
Es gibt in Leipzig auch Stadtteilmoderatoren. Wie funktioniert dieses System?
Das sind die, die im Prinzip diesen kleinen Pflänzchen – welche Interessen gibt es? wer hat welche Vorstellungen? – Geburtshilfe leisten. Die auch kleine Dinge, die da geäußert werden aufnehmen, Realisierungschancen prüfen und die Leute unterstützen, die hier Ideen haben, die etwas machen wollen. Das heißt, bessere Bedingungen schaffen, damit diese Ideen und Arbeitsansätze tatsächlich überleben, realisiert werden können, wachsen und sich entwickeln. Sie haben so einen Geburtshelferstatus.
Haben sie da ein konkretes Beispiel?
Ja, da ist vor allem der Leipziger Osten. Dort gab es verschiedenste Aktivitäten, zum Beispiel das Aufräumen von Brachen.
