Der Leipziger

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Geiz ist geil – sogar am Grab

Von Jonathan Fasel

Ein blaues Schild aus Plastik prangt in der Eisenbahnstraße. „Abenia Bestattungs-Discount” hängt dort an der Nummer 13. Die großzügige Glasfront lässt einen weißen Raum und ein spartanisches Büro erkennen. Ein Schritt ins Innere: Das Interieur versprüht den spröden Charme eines Waschsalons. Hinter einem wuchtigen schwarzen Schreibtisch sitzt René Kluge. Der 41-Jährige im schwarzen Anzug macht einen seriösen, aber hellwachen Eindruck – er ist ganz Geschäftsmann.

Doch René Kluge hat vor allem Bestatterblut in seinen Adern. Seine Mutter ist Geschäftsführerin der Abenia – einem Kunstwort, das vor allem eins soll: in Telefonbüchern und Suchmaschinen dank der Anfangsbuchstaben ganz oben stehen. Mittlerweile ist René sechs Jahre mit im Geschäft. Der Bestattungs-Discount hält erst einmal, was der Name verspricht. Die im Abenia-Katalog aufgeführten Basis-Bestattungen –, beginnend mit dem „einfachen stillen Abschied o. Trauerfeier” bei 850 Euro –, sind auf den ersten Blick durchweg günstiger als beim klassischen Bestatter.

„Wir haben uns mit unseren Zulieferern und Partnern – also beispielsweise den Krematorien und den Urnenherstellern – an einen Tisch gesetzt und Konditionen für ausgehandelt”, sagt Kluge. Und klar ist: Einäscherungen sind hier der Standard – denn sie sind günstiger als Sargbestattungen. Die Materialkosten für eine Urne sind geringer. Außerdem sind keine teuren Sargträger vonnöten, um den Gang von der Messe zum Grab würdevoll zu beschreiten. So ist selbst am Grab der Geiz noch geil. Bleibt da nicht ein schaler Nachgeschmack, seinen Liebsten nicht die angemessene letzte Ruhe verschafft zu haben? René Kluge kennt diesen Einwand: „Wir machen günstige Bestattungen mit denselben Leistungen wie andere – ohne dass die Toten an Pietät und Würde verlieren.”

Individuell und günstig

Deswegen fällt auch nie der Begriff „billig”, denn das suggeriert, meint Kluge, „dass die Toten hinterm nächstbesten Baum verscharrt würden.” Von den Kunden werde der Bestattungs-Discounter angenommen, so Kluge. „In Deutschland, im Osten, in strukturschwachen Regionen können die Menschen nicht mehr so viel zahlen wie früher” – besonders, seit Anfang 2004 das Sterbegeld weggefallen ist.

Die Bestattungs-Mitstreiter reagieren verschnupft auf den Discounter. Spielt man in der Liga von Kluges Billig-Bestattungen? Bei der Leipziger Firma „Memora Niedrigpreis-Bestattungen” will man nichts davon wissen. „Wir sind individuell und günstig, aber nicht auf der Discounter-Schiene”, sagt Karsten Grigoleit von Memora. Und beim Städtischen Bestattungswesen wirkt nicht nur die Einrichtung wärmer und großzügiger. Dort kommt man nicht unter 1300 Euro unter die Erde. Einen der Gründe für den höheren Preis verrät Karsten Grigoleit. „Dort werden die Angestellten nach Tarifen des öffentlichen Dienstes bezahlt – das sind ganz andere Voraussetzungen”, meint er.

Doch auch die Geschäftspraktiken der Abenia Bestattungen sind nicht blütenweiß: Im Nebensatz lässt Kluge fallen, dass alle Preise ohne Mehrwertsteuer gelten. Auf dem Flyer findet der aufmerksame Trauernde den Hinweis rücklings unten aufgestempelt. Eine Bestatterin des städtischen Bestattungswesens meint dazu, dass „Kunden zu uns kommen und sich beschweren, dass sie bei Kollegen damit fast über den Tisch gezogen wurden.” Schließlich macht die Steuer dann doch einige hundert Euro aus. Ganz so billig ist gepflegtes Sterben dann also auch beim Discounter nicht.

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